Erzherzog Ferdinand II. (1529 - 1595)

war der zweitgeborene Sohn des römisch-deutschen Kaisers Ferdinand I. (1503 - 1564). Sein älterer Bruder war Maximilian (1521 - 1576), der spätere Kaiser Maximilian II. Erzherzog Ferdinand wird ob seiner Tapferkeit gerühmt; 1549 wird er wohl vor allem deshalb bereits Statthalter von Böhmen - eine Karriere zeichnete sich ab. Die beachtlichen Mineralstufen der Ambraser Sammlung aus Böhmen, aber auch die interessanten Handsteine sowie wahrscheinlich die bekannte kolumbianische "Smaragdstufe", stammen aus dieser Zeit.

Auf dem Reichstag zu Regensburg lernt der Erzherzog Philippine Welser, die Tochter des Augsburger Patriziers Franz Welser und der Freiin Anna Adlerin von Zinnenberg, kennen. Die Bekanntschaft verändert sein zunächst dynastisch vorgezeichnetes Leben. Er vermählt sich mit Philippine Welser 1557 heimlich und gerät dadurch beim Kaiser in Ungnade; die Rechtmäßigkeit der Ehe wird 1561, allerdings unter Verzicht auf die Erbfolge seiner Kinder aus dieser Verbindung, anerkannt. 1563 wird der Erzherzog von seinem Vater den Tirolischen Ständen auf dem Landtag zu Innsbruck als neuer Landesherr vorgestellt. Nach dem frühen Tod seiner ersten Gemahlin widmet sich der Erzherzog den aufstrebenden Naturwissenschaften und den schönen Künsten. Seine auf Schloß Ambras bei Innsbruck zusammengetragene Kunst- und Wunderkammer galt seinerzeit neben jenen von Kaiser Rudolf II. und von Kurfürst August I. von Sachsen als eine der bedeutendsten Sammlungen ihrer Art.

Obwohl Ferdinands Sohn und Nachfolger, Markgraf Karl, bald nach dem Tod des Vaters diese Erbschaft an Kaiser Rudolf II. und die übrigen Erzherzöge, des Kaisers Brüder und Vettern, gegen einen Kaufpreis von 170.000 Gulden abtrat, blieb die Sammlung zunächst unangetastet, da in dem entsprechenden Protokoll festgelegt wurde, daß die Rüst- und Kunst- oder Wunderkammern "ganz und unverrückt beysammen gelassen werden sollen." Der weitere Ausbau der Sammlungen in Ambras geriet trotzdem ins Stocken. 1665 erlosch aber die männliche tirolisch - österreichische Nebenlinie der Habsburger, und Tirol, die Vorlande und auch die Herrschaft Ambras mit ihren Schätzen fielen wieder an das Stammhaus, das zu dieser Zeit von Kaiser Leopold I. (1640-1705) regiert wurde. Damit begann die allmähliche Transferierung der wertvollen Bestände von Ambras in die kaiserlichen Sammlungen nach Wien.